„Bereits in seinen zwei ersten Studiensemestern überraschte Ulrich Göttlicher durch eine Serie vor Frauenporträts, welche, erinnernd an süßlich romantisierende Frisörreklamen der fünfziger Jahre, dieselben in Öl malte, sie ironisierte und mit dem notwendigen Sarkasmus als verlogen entlarvte. Im weiteren Studium verarbeitet U. Göttlicher die Kunst des Nationalsozialismus, führt ihr leeres Pathos, ihre klischeeierende Verlogenheit, ihren mythologisierenden Stumpfsinn vor.

Parallel zur Kunst studiert Göttlicher Geschichte und arbeitet die Vergangenheit eines Familienmitgliedes seiner vorvorigen Generation auf, die ihn belastet.

Es entstehen düstere, teils monumental wirkende Bilder, in denen sowohl Adolf Hitler, sein Stab, als auch Personen der folgenden Zeitgeschichte erscheinen. Gelegentlich malt sich Göttlicher selber in Naziuniform zu den Akteuren des Hitlerreichs. Diese an Selbst-bestrafung grenzende Selbstironie verweist auf die zumindest rudimentär im kollektiven Unterbewußten fortwirkenden Mythen der Naziideologie, aber auch auf die latente Organisiertheit Rechtsradikaler in der heutigen Bundesrepublik.

Göttlicher malt unter anderem völkische Sportler, eine Bauern-familie mit Pferdekarren und Selbstporträts. Es gelingt Göttlicher durch eine Malweise, die sich zwischen dumpfer Mulmigkeit und zwielichtiger Helligkeit und flackerndem Leuchten bewegt, eine bitter-gemeine Bildwirkung zu erzielen.

Radikale Absage an den Nationalsozialismus und seine Mythen heisst die klare Botschaft der Bilder von Ulrich Göttlicher. Mir ist kein deutscher Nachkriegskünstler bekannt, der so direkt, so gradlinig präzise und ätzend in der Malerei mit derselben der Naziära und deren Verherrlichungen abgerechnet hat. Schrecklicherweise wurde Ulrich Göttlicher für seine Leistung beleidigt, bedroht, beschimpft und selber verbal als Nazi dargestellt. Er hat es gewagt, das Satanische im "Herzen des Volkes" vorzuführen und damit die Klischees der modernen Medienwelt in einem großen Teil ihrer Ursprünge gleich mitzuentlarven. Größte Anerkennung sollte Göttlicher für seine Leistung erfahren.“

Prof. Hermann-Josef Kuhna