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Franz Ulrich Göttlicher:
Patina und Propagandaklischees
Über die Bilder von Göttlicher gab es an der Kunstakademie heftigen Streit. Einzelne missverstanden sie, ohne ihre Ironie und Brüche zu sehen, als bedenkliche Annäherung an nationalsozialistische Muster. Andere erkannten dahinter die alte künstlerische Strategie der Kritik durch Affirmation und wiesen auf Anselm Kiefer und Syberberg hin. Der Ästhetikprofessor Bazon Brock fand darin einen schmalen Weg, auch heute noch Historienbilder zu malen.
Was weckte den Widerstand? Göttlicher malt seine Bilder nach alten Fotografien: typische Szenen der Nazizeit, aus dem 2. Weltkrieg und von anderen Kriegen, Größen des 3. Reiches, Wehrmachtsoldaten, deutscher Nährstand, Hitlerjugend, BDM. Genau besehn, malt er die Propagandaversion dieser Motive und hebt ihr Schema hervor, indem er die Physiognomien bis zur Erkennbarkeit zuspitzt oder abstumpft. Er karikiert und denunziert nicht einmal. Er führt nur vor: Verführer und Verführte, Fanatismus und Entpersönlichung. Er deckt Klischees auf, seine Historienmalerei ist stets durch mediale Stereotypen gelenkt. Sie spiegelt deshalb weniger Gewaltherrschaft und Krieg als deren trügerisch beschönigte oder heroische Vorzeigebilder: ihr mentales Umfeld, das sie nährt. Die Bilder sind braun wie vergilbte Fotos und tragen auf diese Weise ihre zeitliche Signatur.
Neuerdings geht Göttlicher auch zu historisch und ideologisch unbelasteten Alltagsthemen wie „Spätsommer“ über. Was bleibt, ist der beige Ton als Erbteil einer patinierten Fotografie, die Vergangenheit signalisiert. Doch Göttlicher ist malerisch freier, fast möchte man sagen, milder geworden, seitdem er sich nicht mehr mit den Ikonen der Propaganda quält. Er hat den Maler in sich gesucht und gefunden.
Text von: Prof. Dr. M. Schneckenburger, in: Ausstellungskatalog der WGZ-Bank Düsseldorf „Malerei von Meisterschülern der Klasse Kuhna“, Düsseldorf 2004.
„Selbst die höchste in der Hierarchie akademischer Gattungen fehlt nicht. Franz Ulrich Göttlicher rückt das Historienbild auf eine neue Stufe der Posthistorie: Eine Form der Kritik, die sich scheinbar der Affirmation bedient und die hohlen Floskeln medialer politischer Bildwelten umso vernichtender entlarvt in Historienbildern von irritierender Ambilvalenz.“
Prof. Dr. Manfred Schneckenburger
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